Dass jemand, der auf einen Rollstuhlfahrer angewiesen ist, nicht unbedingt auf Abenteuer verzichten muss, bewiesen uns Ursula und Ella aus Holland. Die beiden Frauen sind mit einem Adventurer Wohnmobil von Fraserway RV unterwegs, das extra für Rollstuhlfahrer umgebaut wurde. Wir hatten die beiden vor drei Wochen beim Start ihrer Reise bei Fraserway in Delta/Vancouver kurz getroffen und waren ganz interessiert zu erfahren, wie das Reisen  im Wohnmobil als Rollstuhlfahrer klappt. Jetzt haben wir sie zufällig auf dem Parkplatz am Nairn Falls Provincial Park nördlich von Whistler wiedergetroffen.

Durchdachte Ausstattung

Ursula ist gehbehindert, sie kann mit Festhalten einige Schritte gehen, für weitere Wege ist sie aber auf den Rollstuhl angewiesen. Seit drei Wochen sind die Beiden quer durch Britisch Kolumbien und Alberta unterwegs inklusive Rocky Mountains und haben schon 3000 Kilometer ohne Probleme hinter sich gebracht. Bereitwillig zeigen sie uns, wie dieses Wohnmobil funktioniert. Neben der normalen Eingangstür auf der Beifahrerseite ist es mit einer Hebebühne ausgestattet, auf der Ursula in ihrem Rollstuhl sitzend bequem hinaus und hinein kommt. Während sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind, kann der Rollstuhl über Gurte am Boden festgeschnallt werden und steht sicher. Ursula sitzt dann auf dem Beifahrersitz, während Ella fährt. Lediglich das Setzen auf den Beifahrersitz macht Ursula etwas Mühe, da die Fahrerkabine etwas eng ist. Eine Umrüstung auf Handgas und –bremse, ist möglich.

Im hinteren Bereich befindet sich eine geräumige behindertengerechte Duschkabine und getrennt davon Toilette und Waschbecken. Das Bett ist hochklappbar, das gibt tagsüber mehr Bewegungsfreiheit mit dem Rollstuhl. Die Sitzecke ist mit einem sogenannten Slide ausgestattet, der beim Stehen ausgefahren werden kann und zusätzlichen Raum im Ess- und Küchenbereich bietet, so dass auch dort das Fahren mit dem Rollstuhl möglich ist. Ursula und Ella sind begeistert vom Komfort des Wohnmobils.

Rollstuhlfreundliches Kanada

Seit 35 Jahren haben sie keinen Campingurlaub mehr gemacht, sondern waren immer mit Auto unterwegs und übernachteten in Hotels. Da es dabei aber erforderlich ist, immer wieder den Rollstuhl ein- und auszuladen und auch die Koffer zu schleppen, ist das Wohnmobil eine tolle Erleichterung für so eine Rundreise. Außerdem, erzählt Ursula, seien alle Campingplätze und auch die sonstigen Einrichtungen in Kanada sehr gut für Rollstuhlfahrer geeignet. Nur einmal in den bisherigen drei Wochen seien sie zu einem Museum gekommen, das nicht rollstuhlgerecht war. Ach ja, und sie haben immer einen Campingplatz bekommen, wenn sonst auch alles belegt gewesen sei, für Rollstuhlfahrer habe es immer noch einen Platz gegeben, berichtet uns Ella. Noch zwei Wochen haben die Holländerinnen vor sich und am Ende werden sie wohl über 5000 Kilometer in fünf Wochen gefahren sein. Auf ihrer Route von Vancouver aus besuchten sie den Waterton National Park, Drumheller, Calgary, die Rockies, Whistler sowie die Sunshine Coast und Vancouver Island - ein strammes Programm.

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