Weite Sicht von der Prärie auf die Rocky MountainsWir verlassen den eindrucksvollen Writing-on-Stone Provincial Park in Begleitung eines warmen, kräftigen Windes. Unser Ziel ist der Waterton Lakes National Park ganz im Südwesten der Provinz Alberta. Dort wo Prärie und Rocky Mountains aufeinander treffen. Der wenig befahrene Highway 501 nahe der Grenze zur USA führt uns dort hin. Schon bald kommen in der Ferne Berge in Sicht. Es sind die Rocky Mountains. Wir sind schätzungsweise noch 100 Kilometer Luftlinie vielleicht etwas mehr entfernt.

 

Heißer Wind

Getreidesilo im Ort Milk River.Der verschlafene Ort Milk River, ein typischer, kleiner Prärieort mit riesigen Getreidesilos, wirkt bei diesem Wind irgendwie unwirtlich, es scheint sich niemand auf die Straße zu wagen. Beim Aussteigen aus dem Wohnmobil, müssen wir aufpassen, dass der Wind die Türe nicht wegreißt. Fast fühlen wir uns nach Teneriffa zurück versetzt, wo einem gelegentlich der warme Saharawind – Calima oder Scirocco genannt – um die Ohren bläst. Hier heißt der warme Wind Chinook (sprich: Schinuk) und ist, vor allem im Winter, ein für alle erfreuliches Phänomen, da er in kürzester Zeit die Temperaturen enorm steigen lässt. Es ist der 22. September und das Thermometer zeigt 28 Grad an.

Chief Mountain (Montana, USA)Die Sicht ist sehr gut. Während wir zwischen Getreidefeldern und Viehweiden hindurch in Richtung Westen fahren, blicken wir gebannt auf die immer näher kommende blaugraue Bergkette der Rockies. Auf einigen Gipfeln liegt Schnee. Es ist so wenig Verkehr auf dieser Nebenstraße, dass jeder der Entgegenkommenden freundlich grüßt. Hier und da grasen Rinder auf den trockenen Weiden oder ruhen sich an einem Wasserloch aus. Kaum vorstellbar, das noch vor 150 bis 200 Jahren Millionen von Bisons und Antilopen (Pronghorns) über diese Hügel zogen.
Je weiter wir fahren, desto breiter wird das Bergpanorama, das abrupt aus der sanft hügeligen Prärie aufsteigt. In seiner Mitte zwischen all den mehr oder weniger spitz zulaufenden Gipfeln, zieht ein Berg die Aufmerksamkeit ganz besonders auf sich. Denn er ist nicht spitz sondern breit mit einem mächtigen Plateau als Gipfel. Es ist der Chief Mountain. Ein Berg, der in der Tradition und Religion der Indianer eine besondere Bedeutung hat. Er liegt jenseits der Grenze in Montana, USA.

Geisterstadt in der Prärie

Historische Gebäude in Del Bonita als Touristenattraktion im Nirgendwo.Auf halber Strecke treffen wir auf einen Ort mit dem spanisch klingenden Namen Del Bonita. Der  Ort aus nur einer Handvoll Häuser an der Kreuzung zweier Highways beherbergt „The Little Ghost Town on the Prairie“ (die kleine Geisterstadt in der Prärie). Hier hat sich jemand einen Traum erfüllt und betreibt in drei historischen Gebäuden ein Museum und einen Antiquitäten- und Geschenkeladen mit Eisverkauf mitten im Niemandsland. Die nächsten Orte in alle Richtungen sind 50 bis 60 Kilometer entfernt. Wenn vielleicht im nächsten Jahr eine Bed & Breakfast Unterkunft dazu kommt, kann man hier sicher eine ganz spezielle Urlaubserfahrung machen.

Im Waterton Lakes National Park treffen Prärie und Berge unmittelbar aufeinanderNach etwa 200 Kilometern Fahrt, erreichen wir den Waterton Lakes National Park und die Rocky Mountains. Dieser National Park ist einer der kleinsten in Kanada, bildet aber mit dem angrenzenden Glacier National Park in den USA eine Einheit als Internationaler Friedenspark und UNESCO Welterbe.

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