Ich sitze bei Tim Hortens und trinke einen Kaffee, um mein Laptop wieder aufzuladen und zu schreiben. Wir übernachten heute die zweite Nacht auf einem Parkplatz von WalMart in Edmonton. Die Kaufhauskette erlaubt es Campern, mit dem Wohnmobil auf ihren Parkplätzen kostenlos zu übernachten. Daher haben wir keinen Stromanschluss und der Akku des Laptops ist fast leer. Man hat mir erlaubt, das Kabel ein eine Steckdose einzustecken, die zwar hinter dem Tresen ist, aber das Kabel reicht bis zu meinem Tisch. Als ich mich setzte, hat mich der Herr am Nebentisch, der seine Suppe und ein süßes Teilchen verzehrt hatte, wegen des Laptops angesprochen.

 

Er wollte wissen, ob es bei Tim Hortens Internet gebe und wie viel Kapazität die Festplatte habe. So kamen wir ins Gespräch. Er fragte, was für einen Akzent ich habe. „Deutsch“ sagte ich. Es gebe viele Gedenkstätten an den Krieg in Deutschland, habe er gehört, eine Freundin lebe dort. Ich erklärte ihm, dass sich die Deutschen immer noch schuldig fühlten, wegen des Krieges. Er sagte, dass aber auch die Engländer früher schlimmes getan hätten und dass die USA heute auch so etwas wie Hitler – die Weltherrschaft – anstrebe. Wenn auch auf andere Weise. Sofort hat er dann aber betont, dass er nicht die Menschen meine, sondern die „Maschinerie“. Auch nicht Obama, den fände er gut. Er fände es sehr gut, dass ein Schwarzer regiere. Noch besser wäre eine Frau. Die Frauen würden besser regieren, die wollten keine Kriege anzetteln.

Auf meine Feststellung, dass in Kanada Menschen aus sehr vielen Nationen leben würden, sagte er, dass es hier kaum Rassismus gebe. Er hätte keine Freunde, die solche Neigungen hegen würden, sonst wären sie nicht seine Freunde. Dann sprang er plötzlich auf und verschwand – er musste wohl dringend weg. Diese kurze Unterhaltung ist beispielhaft für viele Gespräche, die wir mit Kanadiern bisher führten. Sie sind informiert über das, was in der Welt passiert und entsprechen nicht dem Klischee des „Amerikaners“, das wir Europäer im Allgemeinen haben. Dieses Gespräch ist auch Beispiel dafür, wie leicht man mit Kanadiern ins Gespräch kommt, dass sie immer ein wenig Zeit für einen Plausch haben und dabei oft auch tiefergehende Themen ansprechen, auch wenn es nur ein kurzes Gespräch ist, so wie an diesem Abend.

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